Lauter nette Menschen

*Flatsch*
„Herrschaft! Aua!“
Volle Kanne ausgerutscht auf einem vereisten Wegstück. Seid ihr mal mit über 10 kg auf dem Buckel hingeflatscht? Auf den Bauch? Kein Spaß sag ich euch! Wandern und dabei fotografieren ist also keine gute Idee im winterlichen Wald. Zum Glück habe ich gelernt wie man hinfällt, ohne sich was zu brechen [Wozu ein paar Jahre Karate doch gut sein können]. Dennoch scheint mein Schienbein was abbekommen zu haben. Stechender Schmerz. Ab jetzt geht es erst mal humpelnd weiter. Aber meiner guten Laune tut das keinen Abbruch. Vorerst.

Bei Waldesch setze ich mich an einem Parkplatz kurz auf einen Stein und erhole mich. Die Schmerzen am Schienbein sind schlimmer geworden. Echt toll! Und das am ersten Tag. Zwei Straßenarbeiter halten an und ich frage sie nach der nächsten Apotheke. Ohne zu fragen bietet mir der Fahrer an, mich hinunter zur Apotheke zu bringen. Ich bin echt erstaunt über die Hilfsbereitschaft. Kollege Nr. 2 muss aussteigen und ich steige ein. Es ist Dienstag, 13.30 Uhr und die Apotheke hat geschlossen. Ich werde ein bisschen weinerlich *mimimimimi* und Kollege Nr. 1 bringt mich wieder zurück zum Parkplatz. Er fragt mich, ob er sonst noch was für mich tun kann. So ein netter Mensch. Ich winke ihm tapfer zum Abschied und mache mich wieder auf den Weg.

Eine zeitlang geht es an der Autobahn entlang, auf Asphalt. Gar nicht meins. Ich habe Aua und möchte jetzt sofort einen Kaffee. Meine Güte, was ist los mit mir? Herumjammern hilft mir jetzt auch nicht weiter. Ich befinde mich auf dem Jakobsweg und möchte wieder mehr zu mir selbst finden. Aber so wird das nix. Noch während ich hadere und an mir herumnörgle steht da plötzlich eine Raststätte. Jawoll, jetzt erst mal einen Kaffee.

Es ist verblüffend, dass man immer wieder auf Menschen trifft, die eine Ader für Sinnsuchende haben. Peter, der Küchenchef der Raststätte Mosel West war so einer. Er schenkt mir ein Schokolädchen zum Cappuccino und erzählt mir eine Kurzversion seiner Familiengeschichte, erzählt von der Mosel und der Region und von vielen anderen Dingen. Es macht Spaß ihm zuzuhören. Leider muss ich weiter, es bleiben mir nur noch zwei Stunden bevor es dunkel wird. Mit neuer Zuversicht und erheblich besserer Laune mache ich mich wieder auf den Weg Richtung Mosel. Nicht mehr lange und ich werde einen ersten Blick auf eine der Moselschleifen werfen können.